Gartengestaltung

Wir hoffen, Ihnen hat der Gartenrundgang gefallen, und Sie fragen sich nun, welchen Typ Garten Sie da gesehen haben und welche Gestaltungsgrundsätze dahinterstehen.
War es ein Bauerngarten? Nein, da standen nicht Kohl und Rosen zusammen.
War es ein Naturgarten? Nein, da waren nicht nur einheimische Wildstauden und auch kein Insektenhotel.
War es ein Präriegarten? Das trifft zum Teil zu, aber auf die Bildung von Pflanzengruppen wird nicht verzichtet.
War es ein Wildgarten? Das kommt auf die Definition an. In England ist der Begriff verbreiteter als hier.
Oder war es der ganz neue "New German Garden Style", beschrieben in "Stauden im Garten" vom Callwey Verlag München, 2011? Oder waren es die "Perennial Meadows", die Staudenwiesen von Michael King (http://www.perennialmeadows.com/) oder die naturalistische border von Chris Ghyselen http://www.chrisghyselen.be/index.cfm?fuseaction=art&art_id=3822&c=8?
Ja, das alles könnte mehr oder weniger zutreffen, und wir nennen es naturalistischer Gartenstil, und das sind unsere Gestaltungsgrundsätze:

Das harmonische Bild unseres Gartens soll den Eindruck erwecken, von der Natur geschaffen zu sein. Wir greifen so wenig, wie möglich ein.
Es ist kein Gartenstil für Leute, die ihre Ordnung im Garten durchsetzen wollen. Erst Ende Februar werden die Reste der Pflanzen abgemäht.

Unser Gestaltungsprinzip ist der offene Garten.  Man kann weit über die Pflanzungen schauen, bis über die Grundstücksgrenze. Es gibt keine "Gartenzimmer".

Der vordere Teil des Gartens wurde als Wiese oder Prärie gestaltet, durch die man auf schmalen Rasenwegen hindurch "watet". Im hinteren Teil gestalteten wir einen "Kulissengarten" oder auch Senkgarten, der ringsum den Teich ansteigt und verschiedene Großstauden, wie Soldaten stramm stehen lässt, wenn nicht ein Unwetter sie beutelt.

Die Begrenzung des Gartens liefern die Bäume der Nachbar-Grundstücke ("geborgte Landschaft") und die Sträucher an unserer Grundstücksgrenze. Die Mitte des Gartens ist vertieft und beherbergt einen natürlichen Teich.

Wir verwenden einheimische und fremde Wildstauden und Stauden mit Wildstaudencharakter sowie zahlreiche Gräser.

Der Name, die Herkunft und die Ansprüche jeder Pflanze in unserem Garten sind uns bekannt und werden berücksichtigt.

Wir vermeiden hoch gezüchtete Stauden, wie z. B. Dahlien, Gladiolen, Pfingstrosen, Rosen, Schwertlilien, Lilien, Tulpen, Hyazinthen u. s. w., und verwenden pflegeleichte, d.h. gesunde, standfeste und durchsetzungsfähige Stauden.

Wir pflanzen eine größere Anzahl von Stauden einer Art statt dem "Flickenteppich" des Sammlergartens.

Die ganzjährigen Wirkung der Pflanzen ist uns wichtig. Wir vermeiden ein- und zweijährige Pflanzen.

Durch Beachtung der Lebensbereiche der Pflanzen (Teich, feuchte Wiese, trockene Wiese, Gehölzrand) ist keine Beregnung oder mineralische Düngung erforderlich.

Wir schätzen die Schlichtheit einer Pflanzung, d. h. wir haben Mut zu mehr Grün und vermeiden die „Nur- Buntheit“ einer Pflanzung.

Der Rasen wird auch nicht gedüngt oder vertikutiert, Gänseblümchen, Klee u. a. haben eine Chance.

Wege bestehen aus Feldsteinen oder es sind Rasenwege. Gartenmöbel aus Holz oder Korb werden bevorzugt.

Monströse Formen und panaschiertes bzw. buntes Laub werden bei Stauden und Gehölzen sehr wenig geschätzt.

Wir haben in unseren Garten keine Bauten, wie Pergola, Pavillon, Holzdecks oder gar Brücken, wenn sie nicht dringend erforderlich sind.

Es gibt keine Dekorationen, wie z. B. Glaskugeln, Figuren, Laternen, alte bäuerliche Gerätschaften oder gar Zwerge.

Es gibt keine geschnittenen Hecken und auch keine der so beliebten Buchskugeln.

Im Teich befinden sich keine Goldfische, Kois oder andere großen Fische.

Wo die Natur aufhört, fängt der Unsinn an.
(altes deutsches Sprichwort)

In den folgenden Seiten lesen Sie, wie alles begann und sich im Laufe der Jahrzehnte entwickelte.

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