Der Blue Ridge Parkway verbindet mit 755 km Länge den Shenandoah
Nationalpark im Norden mit den Great Smoky Nationalpark im Süden und
führt durch die Staaten Virginia und North Carolina. Er wird auch als
Appalachen-Autobahn bezeichnet da er auf dem Bergrücken des
Appalachengebirges verläuft. Es ist jedoch keine Autobahn in unserem Sinne
denn die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 50 km/h. Die geringe
Geschwindigkeit ist u. a. notwendig, um die zahlreichen Tiere zu
schützen.
Aus dem gleichen Grund sind oft die Straßenränder kahl gemäht, damit die
Tiere uns, und wir die Tiere, rechtzeitig sehen. Vom Auto aus waren deshalb
wenig Stauden zu entdecken. Streckenweise verließen wir daher den Parkway
und fuhren weiter unten im Tal auf normalen Straßen, auch um ein paar Städte
und Dörfer zu sehen.
Hier dann mein schon aus früheren Reisen bekannter Aufschrei: "Gabi halt an.
Stop, stop, stop!" Nur der Ruhe meiner Frau ist es zu verdanken, dass es
dann zu keinen Auffahrunfällen kommt. Leider sind die Haltemöglichkeiten auf
US-Straßen wesentlich geringer als bei uns. In Gedanken hatte ich auch immer
die Warnung meines Nachbarn: "Halte nie auf einem Privatgrundstück. Der
Besitzer könnte mit der Flinte kommen."
Doch nun zum Bild. Da steht Phlox am Waldesrand in voller Schönheit. Ich
hatte gehofft ihn zu finden, doch schon nicht mehr daran geglaubt. Es soll
40 bis 50 Arten in den USA geben und hier in den Appalachen 10-20 Arten. Man
räumt auch ein, dass Phlox aus Gärten entwichen ist und sich mit den
Wildstauden gekreuzt hat.
An diesem Waldrand waren verschiedene Farbnuancen zu finden, fast weiß, rosa
geäugt bis dunkelrosa.
Der Östliche Tiger-Schwalbenschwanz (Papilio glaucus) war sehr häufig zu
sehen.
Oft begleitet vom Spicebush-Schwalbenschwanz (Papilio troilus).
Die wohl häufigste Staude am Blue Ridge Parkway ist die Seidenpflanze
(Asclepias syriaca), etwa vergleichbar mit dem Vorkommen der Brennnessel in Europa. Sie wächst
mannshoch sowohl im Wald als auch auf der freien Fläche. In Süd-Kanada sah
ich sie auch in der sehr trockenen, offenen Prärie.
Zahlreiche Insekten, vor allem auch viele Schwarze Schwalbenschwänze (Papilio
polyxenes oder P. troilus?), bedienen sich an ihrer Blüte.
Zum Teil waren auch schon die Samenstände zu sehen, die dann im Herbst
aufplatzen und die seidigen Samen frei geben, die der Pflanze den Namen
gaben.
Eine weitere Seidenpflanze (Asclepias exaltata) fanden wir im dunklen Wald,
wo sonst nichts wuchs. Ihre Samenstände sind mehr länglich und dünner.
Der Blütenstand ist kleiner, sehr locker und nickend. Kein Exemplar für den
Garten.
Ganz anders die Knollige Seidenpflanze (Asclepias tuberosa), die mit ihrem
unübertroffenen Orange sonnige Bergwiesen und auch unsere Gärten schmückt.
Allerdings sieht man sie recht selten in unseren Gärten, da sie bei
Kahlfrösten Winterschutz benötigt.
In Amerika wird die Seidenpflanze Butterfly Weed, Schmetterlingskraut,
genannt. Nur hier fanden wir den berühmten Monarchfalter (Danaus plexippus),
der als Wanderfalter den Sommer in Nordamerika und den Winter in Mexico
verbringt. Dabei legt er bis zu 3.600 km zurück. Seine Raupen ernähren sich von der Seidenpflanze.
Auf Bergwiesen entlang des Parkways findet man riesige Vorkommen vom
Nickenden Lauch (Allium cernuum). Die ganze Wiese ist
rosa.
Die Zwiebel ist essbar (Wilder Knoblauch) und wurde von den Indianern als
Arznei verwendet. Sie wird hier bei uns von Staudenbetrieben für den Garten
zum Verwildern auf trockenen, steinigen Böden angeboten.
Einen Tag hatten wir auch Regen und Nebel. Ausgerechnet beim Craggy Garden,
Milepost 364, auf dem Blue Ridge Parkway. Hier gibt es unzählige
Rhododendron-Büsche. Zur Blütezeit sicher ein atemberaubendes
Naturschauspiel.
Aber auch was zwischen und unter den Büschen zu finden war, war sehr
interessant, wie hier die Weiße Waldaster (Aster divaricatus).
Sie wächst hier noch im tiefsten Schatten des Waldes im Wurzeldruck der
Bäume. Sie wird als sehr variabel bezeichnet, was ihre Bestimmung nicht
immer einfach macht.
Eine unbekannte Schwalbenschwanzart auf der Weißen Waldaster.
Vielleicht die gleiche Art wie dieser?
Eine niedrige und frühblühende Goldrutenart (Solidago species) bedeckt die
Bergwiesen in Craggy Gardens am Blue Ridge Highway.
Diese Engelwurzart (Angelica species) bedeckt ebenfalls große Flächen.