Am ersten Tag erkundete ich die Umgebung von Zhongdian und wanderte zum
Hühner-Tempel und anschließend zum Songzanlin-Kloster. Es fahren auch Busse
zum Kloster, aber ich wollte doch die Blumen am Wegesrand
erkunden. Das Kloster ist angelegt wie der Potala Palast in Lhasa und
wunderschön restauriert. Im Kloster leben 800 Mönche, und ich konnte
viele Räumlichkeiten besuchen und den Klängen ihrer Trommeln und Gesänge
lauschen. Die farbenprächtige Ausstattung, die zahlreichen Kerzen und
Gerüche ließen mich für einige Zeit die Wildstauden vergessen.
Die 5 km Fußmarsch haben sich gelohnt.
Unterwegs fand ich viele Gebirgspflanzen, wie
Androsacea spinulifera, Anemone rupestris, Lotus corniculatus var. japonicus, Aster souliei, Gentiana asterocalyx, Polygonum milletii, Iris ruthenica var. nana und viele andere.
Ein Tipp meiner Wirtsleute war auch der Besuch des Baiji Tempels. Der Name bedeutet "Tempel der Hundert Hühner".
Dieser kleine Tempel liegt oberhalb der Stadt und wird nur von einem
Mönch bewohnt, der tatsächlich zahlreiche Hühner und eine Kuh betreut.
Ich war sein einziger Besucher und wurde nach einer kleinen Spende mit
Yakbutter-Tee und Yak-Käse bewirtet.
Songzanlin-Kloster

"Hühner-Tempel" mit Gebetsfahnen

Mein Gastgeber im "Hühner Tempel"
Androsacea spinulifera
Hyoscyamus niger
Hinter den Klostermauern stand eine recht große, seltsame Pflanze. Im Buch "Highland Flowers of Yunnan" habe ich sie nicht gefunden. Ich schickte das Bild einer sehr versierten Gartenfreundin, die es auf Anhieb erkannte. Es ist Hyoscyamus niger, das Schwarze Bilsenkraut
auch als Schlafkraut, Teufelswurz und Tollkraut bezeichnet. Es kommt in Europa
und Asien und sogar in Nordafrika vor. Das Bilsenkraut ist als Droge mit
berauschender Wirkung seit langem bekannt und wurde daher auch als Hexenpflanze
bezeichnet. Man kann es rauchen oder einen Tee bereiten. Da das hier kein
Rezeptbuch für Drogenfreunde werden soll, will ich es damit belassen, obwohl die
Droge legal ist und wenig Suchtpotential haben soll. In der Vergangenheit wurde
es auch als Gift eingesetzt. Bevor das Reinheitsgebot für Bier in Kraft trat,
sollen die Samen zur Verstärkung der alkoholischen Wirkung verwendet worden
sein. Was die Mönche damit getrieben haben, weiß ich leider nicht.